Wirtschaft Archiv

0

Lange Lieferzeiten und kaum Rabatte?

Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Überdenkt man die Angebotssituation an Fahrzeugen seit der Einführung der Verschrottungsprämie, sollte das Angebot langsam aber sicher knapp werden. Während meines letzten Autohändler-Besuchs war ich etwas überrascht über den leergefegten Hof, was sich nahtlos in diese Theorie einfügt. Jahreswagen, Vorführwagen und Tageszulassungen dürften seit geraumer Zeit vergriffen sein – bleibt also nur noch der Griff zum “Fabrikneuen”. Die Produktions- und Logistikkapazitäten haben Obergrenzen, so dass volle Auftragsbücher zu einer verklemmten Liefersituation führen. Der geschäftstüchtige Autohändler muss also in der Theorie nicht mehr zum Schleuderpreis verkaufen sondern kann sich seinen Teil genehmigen – wäre da nicht die Schnäppchenwut der potenziellen Kunden. Medial geprägt werden saftige Rabatte – zuzüglich der Abwrackprämie – erwartet.

Zugegeben – es war eine Frage der Zeit, bis man die ersten Artikel über mäßige Angebote findet – heute war es dann soweit. Die SZ hat den Praxistest gemacht – das Resümee lautet:

Die Rabatte, die die Händler gewähren, halten sich in Grenzen. Vergünstigungen von nur sechs bis acht Prozent waren beim Test im Durchschnitt drin. Offenbar haben einige Händler einen Teil ihrer bisherigen Rabatte durch die Abwrackprämie ersetzt. Citroën hat den Listenpreis für seinen spartanisch ausgestatteten Kleinwagen C1 sogar um 800 Euro erhöht. Eine Ausnahme machte Fiat unter den Befragten: Der italienische Autohersteller gewährt bis 25 Prozent.

Häuft sich diese Art der Berichterstattung, dürfte der Kaufrausch bald vorbei sein.

Abgesehen davon drängt sich unweigerlich eine Frage auf: Händler und Hersteller verweisen auf Rekordabsätze – warum ändert sich die wirtschaftliche Situation in den Branchen nicht? Werden die Fahrzeuge unterm EK veräußert oder ist die Existenz schwarzer Löcher damit erwiesen?

0

Nach der Messe ist vor der Messe: AMI 2009 in Leizpig

Die CeBIT hat ihre Pforten geschlossen. Durchwachsen kommentiert wird sie mit einem Besucherminus von ca. 20% und deutlich verringerter Ausstelleranzahl verabschiedet – bis nächstes Jahr.

Derweil steht die AMI in den Startlöchern. Die Problemstellung ist ähnlich, wenngleich mit höherem Impact: die Aussteller leiden an der Wirtschafts- und Absatzkrise. In Folge der einbrechenden Umsätze werden Ausgaben mehrfach überdacht. Zumindest einen Lichtblick erlebt die Branche aktuell: die Abwrackprämie hilft im Low-Cost-Segment.

Während die automobilen Veranstaltungen der letzten Jahre grundsätzlich den Geruch von Benzin versprühten, dreht die Nachfrage aktuell rasant in Richtung kleiner, ökologisch sinnvoller Gefährte. Aus größer, schneller und teurer wird günstiger, kleiner und effizienter. Dem Trend wird man sich seitens der Hersteller kaum entziehen können.

Ob sich das Publikum wirklich um alternative Antriebe und 3l-Fahrzeuge tummelt, wird der Messeverlauf zeigen. Ob im Krisenjahr auch wieder reichlich Benzin auf den umliegenden Straßen und im Freigelände verbrannt wird, bleibt ebenso abzuwarten.

Dass die Besucherzahlen einbrechen, kann man unterdessen für unwahrscheinlich halten. Selten wurde so viel über Fahrzeuge und noch seltener über Fahrzeugkäufe geplaudert, so dass die Schrottprämie wohl den einen oder anderen potenziellen Käufer auf das Messegelände locken dürfte.

2

Nach der Schrottprämie kommt…

… die Ernüchterung? Oder doch die Depression oder direkt die Pleite? Wie ich mich so medial berieseln lasse, frage ich mich doch ein wenig betroffen, ob den Zeitraum nach der Abwrackprämie überhaupt jemand auf dem Radar hat. Dass die Autohäuser momentan “leergeramscht” sind, kann ich bestätigen – gleichwohl profitieren nicht alle Händler und gleich garnicht alle Hersteller gleichermaßen. So dürfte das Erlebnis Autokauf gerade im Nicht-Premium-Bereich schnell zur Katastrophe werden – genau so, wie es in der FAZ kokettiert wird – “Will hier sonst noch jemand einen Corsa?”.

Das Budget ist nun aber begrenzt – 1,5 Mrd. € können maximal 6000 Autokäufer beglücken. Schätzungen zufolge überdenken 1.000.000 potenzielle Kunden den Autokauf zur aktuellen Stunde – unter Nutzung der monströsen Rabatte sowie der staatlichen Unterstützung. Beim Durchschnittskauf (Neuwagen) wechseln so 11.000 € den Besitzer – bei Jahreswagen wird sogar teurer zugeschlagen, wobei der Markt schon jetzt leergefegt ist.

Den Absprung bereitet unsere Regierung offensichtlich schon vor: ab sofort wird die Prämie nicht erst bei Übernahme des “Neuen” sondern schon bei Abschluss des Vertrags bewilligt. Gefährlich war die Regelung vor allem für Kunden, bei denen zum Teil größere Lieferverzögerungen angekündigt wurden.

Wie geht es danach weiter? Ist der Bann gebrochen oder sind schlicht die Anreize groß genug? Unvorstellbar scheinen bei bis zu 20% Rabatt und weiteren 2.500 € vom Staat weitere Preisvorstöße – nicht bei 11.000 € VK für einen Neuwagen.

Ich habe den leisen Verdacht, dass die anstehenden Wahlen Schlimmeres (vorerst) verhindern werden. Da helfen auch Ankündigungen über die Endgültigkeit der Summe nichts. Wäre das Problem mit einer Verlängerung gelöst? Wohl kaum.

Immerhin zeigt die aktuelle Situation eines ganz deutlich: die Bedingungen für den Autokauf. Auf breiter Front scheint es weder die Lederausstattung noch eine Maschine mit 250 PS zu sein – es ist einfach nur der Preis. So heißt es für die Hersteller nun Angebote schnüren – Ausstattung zu extrahieren und Modelle einzuführen, die den Anforderungen am Markt gerecht werden. Thematisch dürfte das weitere Standardisierung und Automatisierung bedeuten. Warum auch alle Ausstattungskombinationen ermöglichen? Vermutlich sind drei ausreichend: “Low Cost” mit dem minimalen Preis, “Standard” mit der üblichen Ausstattung und “Complete” mit Vollausstattung. Glaubt man der aktuellen Marktsituation belegt die “Low Cost”-Variante 90% der Produktionsressourcen – der Standard 9% und für “Complete” bleiben 0,9%. Die verbleibenden 0,1% müssen wohl deutlich zuzahlen.

Schlagwörter: , ,
0

Über Misswirtschaft und Patente – Opel in der Klemme

Nach dem lauten Poltern um die geplante Eigenständigkeit des Autobauers Opel folgt nun die Ernüchterung. Als am 26. Februar dieses Jahres die Schlagzeile “Opel besitzt die eigenen Patente nicht mehr” zu lesen war, konnte man sich nicht vorstellen, dass selbst General Motors nicht mehr frei darüber verfügen kann:

[...] ist General Motors nicht mehr im Besitz der Patente seiner deutschen Tochterfirma Opel. GM habe die Patente als Sicherheiten an das amerikanische Finanzministerium abgegeben, um Hilfen der der Regierung in Milliardenhöhe zu erhalten [...] Die mögliche Rückübertragung von Patenten auf Opel spielt eine Rolle im Sanierungsplan der Manager. [...]

So wird das Rettungskonzept als “desaströs” kommentiert, was die Stimmung bei Opel selbst und im Umfeld kaum heben dürfte. Die Staatshilfe in Höhe von 3,3 Mrd. € dürfte damit in weite Ferne gerückt sein. Dass GM über einen längeren Zeitraum Gelder an Opel fließen lässt ist ebenso unwahrscheinlich, ließ das Unternehmen doch letztens verlauten, dass man die Einleitung eines Verfahrens zum Gläubigerschutz (Insolvenz) für eine gangbare Lösung hält. Zweifel des GM-Managements an der Nachhaltigkeit des eigenen Geschäftsmodells runden die Situation ab.

Der Vergleich zum Bankensektor sei an der Stelle erlaubt. Da wurde Hals über Kopf ein Topf in Höhe der Gesamtsteuereinnahmen eines Jahres geschaffen. Vergabekriterien? Vor dem Hintergrund der HRE schwer identifizierbar. Risikomanagement? Fehlanzeige. Im Verhältnis sind die Rettungspakete für die Unternehmen eine echte Lachnummer. Die Dominoeffekte mögen keine Verwerfungen am Finanzmarkt zur Folge haben – dafür werden sie am Arbeitsmarkt sichtbar. Ich bin gespannt, welch haarsträubende Logiken im “Superwahljahr” aufgetischt werden. Lassen wir uns einfach mal die Taschen füllen…

0

Streik in der Krise: auch das gibts…

Wenig verwunderlich sind die Bestrebungen der Beschäftigten im öffentlichen Dienst – dort dürfte die Angst vorm Arbeitsplatzverlust deutlich niedriger sein als in dem einen oder anderen Wirtschaftszweig. Gerade hier in Sachsen wird aktuell den Forderungen im Bereich der Schulbildung Luft gemacht, so dass am Freitag bereits zum wiederholten Male kein Unterricht nach Plan stattfand.

Auch bei der Telekom verlaufen die Tarifverhandlungen eher trocken. Die Forderung liegt bei 8,5% mehr Lohn, während ein Angebot über eine Steigerung von 5,5% auf dem Tisch liegt. Mittlerweile wird seitens Verdi zudem verkündet, dass ein unbefristeter Streik als eine Möglichkeit durchaus vorstellbar ist.

Überdenkt man, dass die Medien derzeit überfüllt sind mit Meldungen zu steigenden Arbeitslosenzahlen und Kurzarbeit, finde ich diese Maßnahmen schon etwas verwunderlich. Im Falle der Deutschen Telekom darf zumindest noch auf sehr erfreuliche Geschäftszahlen verwiesen werden, die eine Erfolgsbeteiligung oder aber Lohnerhöhungen empfehlen. Gleichzeitig laufen jedoch Überlegungen zur weiteren Reduzierung der Beschäftigtenzahlen.

1

Opel wird eigenständig – trotzdem im GM-Verbund

Die Pressekonferenz ergab das erwartete Ergebnis: Opel wird sich verselbständigen – wirtschaftlich wie auch rechtlich. Trotzdem ist der Autobauer auf die Zusammenarbeit mit GM angewiesen. Auch wenn konkrete Details zum Rettungsplan noch ausstehen sieht es so aus, als wäre der Weg frei für die Erhaltung. General Motors sei auch bereit, Anteile “abzugeben” – von Schenkung ist nicht die Rede jedoch auch nicht von Summen, die dem wirtschaftlichen Sinn widersprechen.

Werksschließungen sollen nach Kräften vermieden werden, was jedoch den Verkauf von Produktionsanlagen nicht ausschließt. Ausdrücklich hingewiesen hat Opel-Chef Förster auf die Notwendigkeit, geschaffene Überkapazitäten abzubauen.

Der Kapitalbedarf wird auf 3,3 Mrd. € beziffert und in erster Linie durch GM in Form von Sachanlagen eingebracht. Gleichwohl wird der Bundesregierung der Weg geebnet – der tatsächliche Bedarf wird aktuell wohl schwer schätzbar sein.

Seite 10 von 39« Erste...89101112...2030...Letzte »