Nachdem der Streit zumindest in seiner Medienwirksamkeit und ursächlich dafür vermutlich in seiner gewaltsamen Ausprägung etwas abgeschwächt werden konnte, bereiten sich die Parteien auf eine (ernsthafte) Auseinandersetzung am Verhandlungstisch vor.
Spiegel-Informationen zufolge hat die Bahn bereits gerechnet, was ein vollständiger Abbruch des Baus kostenseitig bedeuten könnte. Im Ergebnis steht der Betrag von 1,4 Mrd. € im Raum, der für
- bisherige Planungen für Stuttgart 21,
- bereits getätigte und rückabzuwickelnde Grundstücksgeschäfte,
- bereits rechtlich verbindliche Bauverträge und
- bisherige Planungen für die Strecke Wendlingen-Ulm
aufgelaufen ist. Offensichtlich bereitet man sich auch auf den Ernstfall vor…
Weiterhin gibt es schwere Bedenken darüber, ob ein nachträglicher Volksentscheid über das bereits beschlossene Projekt Schule machen könnte und die Handlungfähigkeit – insbesondere bei größeren (Infrastruktur-)Projekten – nachhaltig Schaden nehmen könnte.
Ein etwas andere Beispiel für den Umbau eines Kopf- zum Durchgangsbahnhof kann derzeit in Wien beobachtet werden. Die Ausmaße dürften vergleichbar sein, wenngleich die mediale Meinung zum Umfeld der Baustelle schlechter ausfällt als in Stuttgart – soll heißen: der Stadtteil, der die nächsten Jahre zur Baustelle umfunktioniert wird, war ohnehin wenig ansehnlich und erfährt durch die Neuplanung eine entscheidende Aufwertung. Ein interessanter Artikel dazu findet sich bei N-TV.
Ganz offensichtlich hat man dort im Vorfeld die Stimmungen in der Bevölkerung eingefangen und auch Gegner frühzeitig integriert. Das Motto ist dem entsprechend auch nicht “Dauerprotest” und “Schlichtungsverfahren” sondern “Abrissparty“.
