Kurioses Archiv

2

Winterreifen-Abzocke bei Autovermietern?

Im Winter – insbesondere in diesem – sollten Winterreifen zur Ausstattung eines jeden Fahrzeugs gehören. Dass dies bei Mietwagen nicht zwingend so sein muss, wird einigen bekannt sein – dass Winterreifen bei der Automiete jedoch zu einem durchaus preisgestaltenden Element werden ist schon erstaunlich.

Der Stern hat die Fakten recht übersichtlich zusammengestellt und ein ziemlich beschämendes Fazit gezogen:

“Das ist ganz eindeutig, dass sich die Unternehmen eine goldene Nase damit verdienen”, hält Rüdiger Stumpf von Stiftung Warentest dagegen. Die Aufschläge stünden in keinem Verhältnis zu den Kosten. “Die Vermieter machen einen Supergewinn mit den Reifen. Bereits mit dreimal Ausleihen können die Kosten für die Reifen wieder drin sein.” Der Vorwurf ist nicht von der Hand zu weisen. Kalkulierte man das ganze Fahrzeug mit derartigen Margen, müsste das Wochenende mit einem Golf 5000 und nicht etwa 150 Euro kosten.

Wer selbst Auto fährt weiß zudem, dass sich der Verschleiß der Bereifung durch den Wechsel folgerichtig auf zwei Sätze (Sommer + Winter) verteilt und die Investition damit – bis auf kleine Unterschiede im “Abrieb” – auf die Felgen reduziert werden kann.

Traurig, dass die Vermieter sich damit eine Lücke suchen, den Deckungsbeitrag verschleiert zu erhöhen und billigend unwissende Kunden in eine wirklich unangenehme Situation locken. Wer im Winter mit unangemessener Bereifung in einen Unfall verwickelt ist, kann – unter dem Vorwurf der groben Fahrlässigkeit – mit einem saftigen Selbstbehalt rechnen, der weder von der Versicherung noch vom Vermieter getragen wird.

Erschreckend ist in diesem Zusammenhang auch die Vermarktung von Versicherungspolicen für Mietwagen, die man – wie Winterreifen auch – separat abschließen muss. Damit kann das Mieten eines Fahrzeugs schnell zur Angelegenheit für Profis werden oder man steht (bei mangelhafter Beratung) ohne Winterreifen und darüber hinaus ohne Vollkasko-Versicherung für den Mietgegenstand dar. In Summe erstaunlich, dass noch keine Rufe nach Verbraucherschützern laut werden. Ich halte ein finanzielles Risiko in Höhe von 30.000 € für eine Ein-Tages-Miete eines Beispiel-Golfs, welches in dieser Konstellation zu 100% beim Mieter liegt, für absolut unangemessen.

Beim der Fahrzeugmiete also – insbesondere im Winter – auf

  • wintertaugliche Bereifung und
  • angemessenen Versicherungsschutz

achten!

[UPDATE]

Mehr davon: merian.de

[/UPDATE]

0

Politik? Nee – Schnäppchen!

Welch schöne Effekte unsere digitale Welt mitsich bringt. Dank diverser Blogverzeichnisse, die einen kleinen Mehrwert durch Statistiken liefern, lässt sich ein kleiner Überblick über die Interessenslage des Volkes ermitteln. Auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass derlei Statistiken wohl nicht den Querschnitt abbilden, so finde ich das Zahlenwerk doch interessant.

Wie jeden Tag lässt sich bei der Bloggerei eine “Most readed”-Liste von Blogbeiträgen generieren. Diese findet man: hier.

Trotz aktueller Wikileaks-Debatte und doch erheblichen politischen Diskussionen finden sich auf den ersten Rängen ausschließlich freundliche Hinweise auf den heute von Amazon zelebrierten “Cyber Monday”.

  1. MyDealz – Bestimmt eure Weihnachtsgeschenke bei Amazon selber
    (ca 12.000 Leser)
  2. Playstation News – Heute ist Cyber Monday: Liste der Schnäppchen
    (ca. 6.000 Leser)
  3. Preisjaeger.at – Richtig ein Amazon Cyber Monday Schnäppchen schlagen
    (ca. 4.400 Leser)

Die medial bereits vorgeglühte Weihnachtszeit scheint mir eine untergeordnete Rolle zu spielen – die Rangliste sieht ansich immer ähnlich aus.

An der Stelle darf man Amazon zur äußerst gelungenen Marketing-Aktion gratulieren. Ein ausschweifendes Fazit lasse ich einfach mal aus – interessante gedankliche Anstöße benötigen keine Wertung :-)

0

Wikileaks: Dokumente zur Weltsicht der USA

Wikileaks hat offenbar mit der Veröffentlichung von den angekündigten Dokumenten begonnen, die ein neues Weltbild prägen werden. Dass der externe Blick mitunter unangenehm sein kann, ist bekannt – nun bin ich gespannt, wie die Weltpolitik reagiert. Ganz abgesehen davon, dass es sich im anhängigen Fall um amerikanische Papiere handelt, kann ich mir jedoch auch locker vorstellen, dass Unterlagen ähnlichen Formats in aller Herren Länder im Archiv schlummern.

Hier ein paar erste Auszüge – die nächsten Tage werden sich einige große Medien dem Thema wohl intensiv widmen und damit ihre Auflage polieren:

[Angela Merkel] … habe aber “keine mutigen Schritte unternommen, um den substantiellen Inhalt dieser Beziehung zu verbessern”

Auch die Bezeichnung “Teflon-Kanzlerin” erscheint nicht sehr schmeichelhaft, sollte jedoch in einer gedanklich freien Welt als persönliche Meinung zulässig sein. Weiter geht es mit Außenminister Westerwelle:

Und das Urteil über den deutschen Außenminister Guido Westerwelle? Seine Gedanken hätten “wenig Substanz”, schreibt höchst undiplomatisch der gegenwärtige Chefdiplomat der USA in Berlin, Botschafter Philip Murphy. Das liege vor allem daran, dass offenbar seine “Beherrschung komplexer außen- und sicherheitspolitischer Themen noch Vertiefung erfordert”. Das ist schon eine echte Unfreundlichkeit.

Interessant ist der Datenschutzvermerk:

Die 251.287 Depeschen wurden allerdings über das geheime Nachrichtennetz Secret Internet Protocol Router Network (SIPRNet) verschickt und stehen etwa 2,5 Millionen Mitarbeitern der US-Behörden zur Verfügung. Sie werden in einer abrufbaren Datenbank gespeichert. Etwa die Hälfte der veröffentlichten Dokumente unterliegen laut Spiegel keiner Geheimhaltungsstufe, 40 Prozent tragen den Vermerk vertraulich und sind somit nur 850.000 Mitarbeitern zugänglich. Etwa sechs Prozent (15.652) werden als geheim eingestuft, davon tragen 4.330 den Vermerk “Noforn”, also nur für die Einsicht von US-Amerikanern gedacht, so der Spiegel weiter.

Insbesondere bzogen auf die Nah-Ost-Region wird der Tonfall noch etwas rauher… So denn – der Berichterstattung freien Lauf mit der Bitte um möglichst objektive Bewertung :-)

More: Spiegel, Golem.

3

SIM-Kartenpfand – unglaublich aber wahr…

Da heute nicht der 1. April ist, muss man die Meldung wohl für bare Münze nehmen. Einige Mobilfunkanbieter haben begonnen, zum Ende eines Mobilfunkvertrages eine saftige Pfandgebühr zu erheben. Insgesamt sieben Mobilfunkanbieter erheben so zwischen 10 und 30 € – oftmals ohne, dass der Kunde dies registriert.

Die Begründungen hören sich haarsträubend an und passen sich in die Urteilsfindung des BGH vor einigen Tagen ein:

Drillisch-Sprecher Peter Eggers sagte den Verbraucherschützern zur Begründung: “Da sich auf der SIM-Karte kundenunabhängige Daten Dritter befinden, ist eine Rückforderung sinnvoll.” Die Chips“fachgerecht unbrauchbar” zu machen, sei auch im Interesse der Kunden. Talkline erklärte, es ginge darum, “das Eigentum an den SIM-Karten für den jeweiligen Netzbetreiber zu bewahren”. Die E-Plus-Marke Base argumentiert mit ihrer “Verantwortung gegenüber der Umwelt” für die Rückgabe des “Elektroschrotts”.

Eine Perspektive fehlt hier natürlich vollständig: die des Kunden. Wie jeder Handynutzer weiß, befinden sich auf der SIM-Karte neben einigen nach Vertragsende völlig unbrauchbaren Zahlencodes gut und gern auch das Telefonbuch sowie die SMS-Nachrichten des Kunden. Sofern ich also demnächst die Karte meines gekündigten Vertrages zurücksende, werde ich wohl einen Verwertungs- / Verwendungs- / Vernichtungsnachweis fordern. Mit Spannung erwarte ich jetzt schon die Antwort.

Ich hoffe doch, dass sich die mitunter wirklich fraglichen Methoden der Telekommunikationsanbieter in die Köpfe der Menschen fressen und als Entscheidungskriterium für künftige Vertragsabschlüsse das typische Geschäftsgebahren mit einfließt.

Im Übrigen: die Rechnung – falsch, betrügerisch oder mitnichten nachvollziehbar – nicht zu bezahlen, ist keine gute Idee, da insbesondere der TK-Markt auf tatkräftige Unterstützung von Inkassodienstleistern setzt. Auch wenn die Kommunikationskanäle in abartiger Art und Weise auf Vertrieb und Umsatzgenerierung getrimmt sind, hilft in erster Linie nur der frustrierende Klärungsversuch mit dem Anbieter.

Mein Fazit: Schöner Unfug, der – ohne jeglichen Mehrwert und zur völligen Frustration der Betroffenen – jährlich eine vermutlich nicht zu verachtende Position auf der Haben-Seite der Anbieter erzeugt. Bei den riesigen und auf Verwirrung getrimmten Abkommen beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages hoffe ich, dass wenigstens dieser Umstand nicht noch als “rechtssicher” durch die Instanzen geht.

0

Windows Live Spaces wandert zu WordPress.com

Etwas überrascht habe ich gerade den Artikel zur Einstellung des Microsoft-Dienstes Windows Live Spaces gelesen und musste mir erstmal die Augen reiben. Microsoft stellt seine Blogplattform, auf der Nutzer ihr Online-Tagebuch pflegen konnten, ein und empfiehlt die Migration zu WordPress.com.

Abgesehen davon, dass ich WordPress für Blogs  nahezu alternativlos im Raum sehe, verwundert mich die Empfehlung von Microsoft doch.

Sei es drum – für die Migration existiert ein Tool, welches durch eine Anleitung (in Kooperation Microsoft – Automattic, WordPress-Entwickler und Plattformbetreiber WordPress.com entstanden) untersetzt den Umzug erträglich gestalten soll. Da ich Windows Live Spaces nicht getestet habe, erlaube ich mir kein Urteil über die Nutzbarkeit der Plattform wünsche aber trotzdem einer hoffentlich großen Userzahl viel Spaß mit ihrer neuen WordPress-Oberfläche in einer OS-geprägten Anwendung.

Auch wenn gerade im Kurztest unter www.windowslive.com/spaces eine Webseite zu sehen ist, die nicht auf die Einstellung dieses (dort angebotenen) Dienstes schließen lässt, gehe ich (begründet durch den Blick in den Kalender, der für heute nicht den 1.4. anzeigt) von der Korrektheit der durch Golem recherchierten Information aus. Dort ist auch ein Verweis auf spaces.live.com zu sehen (was nicht zu meiner Recherche gelinkt ist und folglich ein anderes Angebot darstellen könnte).

0

Hartz IV: Anhebung Regelsatz

Es wird gezerrt und gestritten und vor allem noch geschwiegen und spekuliert. Die Transferzahlung an ALG-2-Bezieher soll den aktuellen Gegebenheiten angepasst – heißt erhöht – werden. Während zwischenzeitlich auch schonmal größere Summen zu lesen waren, spricht der Spiegel in seiner Online-Ausgabe heute von weniger als 20€ pro Monat und beruft sich mit der Aussage DPA. Den Wert möchte man von einem Teilnehmer der Unionsministerpräsidentenrunde erfahren haben, die traditionell im Vorfeld zur Bundesratssitzung in Berlin stattfindet.

Ich möchte keine Debatte über Sinn und Unsinn der Höhe des Regelsatzes anstoßen – eine kleine und unscheinbar verpackte Information fand ich viel interessanter: Unter dem Stichwort “Teure Reform” ist folgendes zu lesen:

Das könnte zum Kraftakt werden: Allein für die geplanten neuen Bildungsausgaben für Kinder und das kostenfreie Mittagessen an Schulen und in Kitas rechnet die Regierung mit mehr als 600 Millionen Euro Zusatzausgaben. Steigen die Regelsätze für Erwachsene nur um zehn Euro, kommen, so eine Faustformel, noch einmal mindestens 700 Millionen dazu.

Die höchst ominöse “Faustformel” lässt sich unglaublich einfach rekonstruieren – warum der Inhalt in einer so verkrampften Art und Weise umschrieben wird, erschließt sich mir nur bedingt. Egal wie: die Rechenvorschrift zur Ermittlung der kritischen Zahl:

700 Mio. € jährliche Zusatzausgaben für eine Erhöhung um 10 € geteilt durch 12 Monate ergibt die zusätzlichen monatlichen Ausgaben in Höhe von 58,3 Mio. €. Monatliche Mehrausgaben in Höhe von reichlich 58 Mio. € klingen schon gewaltig – interessanter ist jedoch die Anzahl der Leistungsbezieher. Man teile also den ermittelten Wert durch die 10 €, die der Berechnung zugrunde gelegt wurden und erhält rund 5,83 Mio. Hartz IV-Empfänger.

Gemessen an runden 3 Mio. kommunizierten Arbeitssuchenden gemäß der aktuellen Statistik hört sich eine Gesamtmengenlage von

! 9 Mio. Arbeitssuchenden !

schon etwas reeller an – auch wenn selbst dieser Wert noch zu niedrig sein dürfte.

Da es sich hier nicht um die Gesamtperspektive handelt, wird es wohl eine Fortsetzung des Artikels geben müssen…

Seite 2 von 2812345...1020...Letzte »