Es ist geradezu paradox und frustrierend zugleich. Nach der japanischen Katastrophe und den explosionsartigen Veränderungen in den Wahlergebnissen hierzulande hält nun der Aktionismus Einzug. Wie man der heutigen Onlineausgabe des Spiegel entnehmen kann, sollen nun schnellstmöglich die Voraussetzungen für einen raschen Atomausstieg geschaffen werden.
Weg von Atomkraft heißt
- rein in erneuerbare Energien oder
- rein in innereuropäischen Energiehandel.
Zweite Variante erscheint etwas seltsam weil wir aller Voraussicht nach nicht etwa grünen Strom aus dem hohen Norden sondern vielmehr atomaren Strom von unseren Anreinern beziehen würden.
So treibt es schwarz-gelb nun mal tüchtig grün und greift an der Öko-Front an. Und weil das alles so einfach geht, schreiben die gewählten Vertreter einfach ein Papier. Rumms.
Wie nicht anders zu erwarten regt sich jetzt schon Widerstand – Windräder sind nun mal leider hässlich und auch nicht ganz geräuschfrei im Betrieb. Das alles halte ich für lösbare Probleme – der entscheidende Druckpunkt liegt wohl an einer anderen Stelle: der Faktor Mensch bleibt völlig unberücksichtigt.
Letztens hatte ich das Vergnügen, bei einem Bekannten einen Bericht über erneuerbare Energien zu sehen. Die Anwohner eines Dorfes hatten sich zu einer Invesitionsgemeinschaft zusammengetan und umliegende Freiflächen mit Windkrafträdern sowie ihre Hausdächer mit Solaranlagen versehen. Die Bürger hatten sich freiwillig dafür entschieden und waren sichtlich zufrieden mit ihrem Investment – einziger Wehrmutstropfen: bei starkem Wind konnte nicht die gesamte Menge erzeugter Energie gespeist werden, da die Leitungskapazitäten nicht ausreichend dimensioniert waren – ein lösbares Problem mit geringem Frustpotenzial. Ein verändertes Landschaftsbild oder ein erhöhter Geräuschpegel wurden nur am Rande diskutiert, waren jedoch kein Hinderungsgrund. Warum?
Die Bürger haben sich basierend auf einem positiven Anreiz (finanziell) freiwillig in das Vorhaben begeben.
Der Guerilla-politische Ansatz unserer Vertreter lässt diesen entscheidenden Punkt völlig außer Acht und gerät schon jetzt in die Kritik. Statt die Chance zu nutzen und auf eine dezentrale Infrastruktur mit einer breiten Nutznießergruppe zu setzen wird weiter Lobbypolitik betrieben.
- Der Bürger zahlt erstmal 5 Mrd. € für den Netzausbau (Steuergelder).
- Die bürokratischen Hürden werden gesenkt, was Großinvestoren zugute kommt.
- Der Bürger hat kein Mitspracherecht bei der Errichtung.
- Strom wird erheblich teurer (was keinen für mich nachvollziehbaren Grund hat).
- Summasummarum: ich kann für den geneigten Bürger keinen Vorteil erkennen.
Noch eine kleine Verdeutlichung: ich habe mir überlegt, dass in meiner Gemeinde ein Klärsystem nötig ist. Weil ich den Bürgermeister gut kenne und auch sonst gute Kontakte in die Politik pflege, ist es ein leichtes, eine Baugenehmigung für die Anlage zu erhalten. Eine Kostenbeteiligung am Bau durch die Bürger ist ohnehin unstrittig. Weil mir ein Standort 30 km außerhalb der Anbindung wegen zu teuer erscheint, platziere ich dieses direkt am Rand des größten Ortes in der Gemeinde. So kann der Dung vom letzten Haus direkt in die Anlage fließen – das erscheint mir hochgradig sinnvoll. Wenn der Wind ungünstig steht, hat nun der halbe Ort Schwierigkeiten mit der Einnahme des Abendbrotes was mich jedoch nicht stört, da ich in einem anderen Ort wohne. Meine Investition wird sich innerhalb von 10 Jahren zu einer Goldgrube entwickeln.
Ich kann nicht verstehen, warum mich niemand mehr grüßt.
In der Konsequenz ist das passiert, was sich die letzten Jahre etabliert hat: Finanzmittel werden vom Bürger zu lobbystarken Konzernen umgelenkt. Dass man nicht versteht, dass unter diesen Voraussetzungen niemand vor seinem Grundstück einen Windpark haben möchte, finde ich wirklich frustrierend…
Um den Bogen zur Überschrift zu spannen: es wird wohl nicht am Wille als vielmehr an der Art und Weise liegen. So gesehen werden wir wohl voller Spannung der Dinge harren, die da kommen.