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Wirtschaftskrise? Packen wir’s an!

Während sich die Politlandschaft hierzulande in den Wahlkampf stürzt und sich somit die Handlungsfähigkeit nimmt, wird andernorts gehandelt. Dass es sich um eine für das Finanz- und Gesellschaftssystem gefährdende Situation handelt – einfach weil der Grundpfeiler, Wirtschaftswachstum, wegbricht – lässt den FDP-Vorschlag einer vogezogenen Wahl durchaus charmant erscheinen. Warum soll der Wähler in Zeiten des Umbruchs nicht entscheiden dürfen, wohin die Reise geht? Vielleicht kämen dann zumindest Konzepte auf den Tisch.

Am gestrigen Tage wurde nun die Gründung der “Bad Bank” durch US-Präsident Barack Obama verkündet – ein Konzept, welches es den Banken ermöglichen soll, ihre vergifteten Depots auszumisten. Für dieses Vorhaben stellt das Weiße Haus 1.000 Mrd US-$ zur Verfügung – die Bedingung ist jedoch die 50%ige Beteiligung von Investoren. Im Klartext: der Anleger kann sich jetzt wertloses Papier ins Depot legen und zahlt lediglich die Hälfte des Buchwertes dafür. Etwas unschlüssig bin ich mir hinsichtlich der Umsetzung – Kleinanleger scheiden aus, da sie sehr ähnliche Papiere gehandelt haben und im Zuge der Lehmann-Pleite den einen oder anderen Dollar verloren haben. Bleiben also noch die “Großen”, die einen “Ringtausch” ihrer Papiere unter Nutzung der Staatshilfe tätigen können und den Verlust somit halbieren. Dass in der jetzigen Zeit jemand frisches Kapital in die abgewracktesten Papiere am Markt pumpt entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Was passiert also? Bank A kauft von Bank B im Wert von meinetwegen 1 Mrd $ toxische Papiere und umgekehrt – beide haben sich “in den Markt getraut” und räumen 50% beim Steuerzahler ab – geändert hat sich jedoch an der Situation nichts. Man hätte also auch einfach eine Kapitalspritze tätigen können.

Weiterhin war zu vernehmen, dass Ben Bernanke – Notenbankchef in den USA – das Problem aktiv lösen möchte. Da die Finanzierung des Staats wohl über einen kürzeren Zeitraum nicht mehr steht, da weltweit niemand Interesse an amerikanischen Staatsanleihen hat, wird Geld gedruckt. Die Hemmschwelle sinkt damit auch für andere Länder – und vor dem Hintergrund der Währungsbewegungen dürften diese mitziehen müssen. Als Exportnation werden wir wohl auch dazugehören – wird der Dollar im Vergleich zum Euro zu schwach, kommt der Export zumindest in die USA vollständig zum Erliegen. Die Kausalkette endet für dieses Szenario in einer Inflation, die auch den einzigen logischen Ausweg aus einem System darstellt, dass aus Schuldenbergen besteht, die sehr wahrscheinlich nie beglichen werden können. Vermutlich weiß Ben Bernanke über über mögliche Wirkungen besser Bescheid – als ehemaliger Verfechter von Währungsstabilität greift er hier zu Mitteln, die das Gegenteil bewirken dürften.

Es ist wohl die Wahl zwischen Pest und Malaria – zwischen dem Versuch der Rettung in dieser Finanzmarktordnung mit stetig kürzer werdenden Krisenzyklen und einem Reset des Systems durch Inflation. Viele Bekannte gibt es in den Prognosen nicht – bleibt also die “Trial-and-Error-Methode” – der Versuch macht schlau.

Interessant sind auch die Investitionsstrategien aus Abu Dhabi. Mit extremem Nachdruck arbeitet man dort daran, Barmittel in “harte Werte” umzusetzen – eine Chipfabrik hier – eine Beteiligung an Daimler da.

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Lange Lieferzeiten und kaum Rabatte?

Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Überdenkt man die Angebotssituation an Fahrzeugen seit der Einführung der Verschrottungsprämie, sollte das Angebot langsam aber sicher knapp werden. Während meines letzten Autohändler-Besuchs war ich etwas überrascht über den leergefegten Hof, was sich nahtlos in diese Theorie einfügt. Jahreswagen, Vorführwagen und Tageszulassungen dürften seit geraumer Zeit vergriffen sein – bleibt also nur noch der Griff zum “Fabrikneuen”. Die Produktions- und Logistikkapazitäten haben Obergrenzen, so dass volle Auftragsbücher zu einer verklemmten Liefersituation führen. Der geschäftstüchtige Autohändler muss also in der Theorie nicht mehr zum Schleuderpreis verkaufen sondern kann sich seinen Teil genehmigen – wäre da nicht die Schnäppchenwut der potenziellen Kunden. Medial geprägt werden saftige Rabatte – zuzüglich der Abwrackprämie – erwartet.

Zugegeben – es war eine Frage der Zeit, bis man die ersten Artikel über mäßige Angebote findet – heute war es dann soweit. Die SZ hat den Praxistest gemacht – das Resümee lautet:

Die Rabatte, die die Händler gewähren, halten sich in Grenzen. Vergünstigungen von nur sechs bis acht Prozent waren beim Test im Durchschnitt drin. Offenbar haben einige Händler einen Teil ihrer bisherigen Rabatte durch die Abwrackprämie ersetzt. Citroën hat den Listenpreis für seinen spartanisch ausgestatteten Kleinwagen C1 sogar um 800 Euro erhöht. Eine Ausnahme machte Fiat unter den Befragten: Der italienische Autohersteller gewährt bis 25 Prozent.

Häuft sich diese Art der Berichterstattung, dürfte der Kaufrausch bald vorbei sein.

Abgesehen davon drängt sich unweigerlich eine Frage auf: Händler und Hersteller verweisen auf Rekordabsätze – warum ändert sich die wirtschaftliche Situation in den Branchen nicht? Werden die Fahrzeuge unterm EK veräußert oder ist die Existenz schwarzer Löcher damit erwiesen?

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Über Misswirtschaft und Patente – Opel in der Klemme

Nach dem lauten Poltern um die geplante Eigenständigkeit des Autobauers Opel folgt nun die Ernüchterung. Als am 26. Februar dieses Jahres die Schlagzeile “Opel besitzt die eigenen Patente nicht mehr” zu lesen war, konnte man sich nicht vorstellen, dass selbst General Motors nicht mehr frei darüber verfügen kann:

[...] ist General Motors nicht mehr im Besitz der Patente seiner deutschen Tochterfirma Opel. GM habe die Patente als Sicherheiten an das amerikanische Finanzministerium abgegeben, um Hilfen der der Regierung in Milliardenhöhe zu erhalten [...] Die mögliche Rückübertragung von Patenten auf Opel spielt eine Rolle im Sanierungsplan der Manager. [...]

So wird das Rettungskonzept als “desaströs” kommentiert, was die Stimmung bei Opel selbst und im Umfeld kaum heben dürfte. Die Staatshilfe in Höhe von 3,3 Mrd. € dürfte damit in weite Ferne gerückt sein. Dass GM über einen längeren Zeitraum Gelder an Opel fließen lässt ist ebenso unwahrscheinlich, ließ das Unternehmen doch letztens verlauten, dass man die Einleitung eines Verfahrens zum Gläubigerschutz (Insolvenz) für eine gangbare Lösung hält. Zweifel des GM-Managements an der Nachhaltigkeit des eigenen Geschäftsmodells runden die Situation ab.

Der Vergleich zum Bankensektor sei an der Stelle erlaubt. Da wurde Hals über Kopf ein Topf in Höhe der Gesamtsteuereinnahmen eines Jahres geschaffen. Vergabekriterien? Vor dem Hintergrund der HRE schwer identifizierbar. Risikomanagement? Fehlanzeige. Im Verhältnis sind die Rettungspakete für die Unternehmen eine echte Lachnummer. Die Dominoeffekte mögen keine Verwerfungen am Finanzmarkt zur Folge haben – dafür werden sie am Arbeitsmarkt sichtbar. Ich bin gespannt, welch haarsträubende Logiken im “Superwahljahr” aufgetischt werden. Lassen wir uns einfach mal die Taschen füllen…