Es wird gezerrt und gestritten und vor allem noch geschwiegen und spekuliert. Die Transferzahlung an ALG-2-Bezieher soll den aktuellen Gegebenheiten angepasst – heißt erhöht – werden. Während zwischenzeitlich auch schonmal größere Summen zu lesen waren, spricht der Spiegel in seiner Online-Ausgabe heute von weniger als 20€ pro Monat und beruft sich mit der Aussage DPA. Den Wert möchte man von einem Teilnehmer der Unionsministerpräsidentenrunde erfahren haben, die traditionell im Vorfeld zur Bundesratssitzung in Berlin stattfindet.
Ich möchte keine Debatte über Sinn und Unsinn der Höhe des Regelsatzes anstoßen – eine kleine und unscheinbar verpackte Information fand ich viel interessanter: Unter dem Stichwort “Teure Reform” ist folgendes zu lesen:
Das könnte zum Kraftakt werden: Allein für die geplanten neuen Bildungsausgaben für Kinder und das kostenfreie Mittagessen an Schulen und in Kitas rechnet die Regierung mit mehr als 600 Millionen Euro Zusatzausgaben. Steigen die Regelsätze für Erwachsene nur um zehn Euro, kommen, so eine Faustformel, noch einmal mindestens 700 Millionen dazu.
Die höchst ominöse “Faustformel” lässt sich unglaublich einfach rekonstruieren – warum der Inhalt in einer so verkrampften Art und Weise umschrieben wird, erschließt sich mir nur bedingt. Egal wie: die Rechenvorschrift zur Ermittlung der kritischen Zahl:
700 Mio. € jährliche Zusatzausgaben für eine Erhöhung um 10 € geteilt durch 12 Monate ergibt die zusätzlichen monatlichen Ausgaben in Höhe von 58,3 Mio. €. Monatliche Mehrausgaben in Höhe von reichlich 58 Mio. € klingen schon gewaltig – interessanter ist jedoch die Anzahl der Leistungsbezieher. Man teile also den ermittelten Wert durch die 10 €, die der Berechnung zugrunde gelegt wurden und erhält rund 5,83 Mio. Hartz IV-Empfänger.
Gemessen an runden 3 Mio. kommunizierten Arbeitssuchenden gemäß der aktuellen Statistik hört sich eine Gesamtmengenlage von
! 9 Mio. Arbeitssuchenden !
schon etwas reeller an – auch wenn selbst dieser Wert noch zu niedrig sein dürfte.
Da es sich hier nicht um die Gesamtperspektive handelt, wird es wohl eine Fortsetzung des Artikels geben müssen…
