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Der Wahnsinn heute: Obama leistet Amtseid

Der heutige Tag wird wohl oder übel in den Geschichtsbüchern auftauchen. Der Gewinner der Präsidentschaftswahl – Barack Obama – wird heute seinen Amtseid leisten, was in Washington zu einem Besucheransturm führt. Die Amerikaner feiern ihr neues Staatsoberhaupt wie einen Popstar – das Ergebnis aus einem in den Augen vieler mäßig erfolgreichem Vorgänger in Kombination mit einem beispiellosen Wahlkampf. Ein wenig gespannt bin ich, wie lange es hierzulande dauert, bis einem Kandidaten eine ähnliche Markenbildung gelingt – vielleicht ja sogar unter Nutzung der Weiten des Webs.

Erstaunlich: Die Medienwelle scheint 1:1 nach Deutschland durchzuschlagen. Sogar die Krisenthemen scheinen zeitweilig zugunsten der “Präsidentschaft 2.0″ vergessen.

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Wahlkampf vs. Wahlkampf

Amerikanische Präsidentschaftskandidaten legen eine hohe Kreativität beim Wahlkampf an den Tag. Auch was die Budgets anbelangt, lebt man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf großem Fuß. So sammelte Barack Obama bisher über 600 Mio. US-$ an Spenden ein – eine Summe, die hierzulande nur zu ungläubigem Lächeln führt.

Unabhängig von den fließenden Beträgen dürfte sich der eine oder andere über die Art und Weise wundern, mit der im Vorfeld der Wahl bereits große Politik gemacht wird. Zu meinem Erstaunen hat sich jetzt Colin Powell, seines Zeichens Republikaner, hinter den Demokraten Obama gestellt und fuhr seinem Parteikollegen John McCain damit anständig in die Parade.

Ebenso skurril erscheint der Umstand, dass sich große Unternehmen ganz öffentlich hinter einen der Kandidaten stellen. Im aktuellen Fall spricht sich Google-CEO Eric Schmidt für Barack Obama aus. Ist das Image der Befürworter auf den Kandidaten übertragbar? Wie wirken sich derartige Statements auf die Wählergunst aus?

In Deutschland wird auch bald wieder gewählt, irgendwie fällt die Vorstellung schwer, dass führende Köpfe eines großen Unternehmens Wahlkampf für einen Kandidaten machen. Wie wäre es mit folgender Schlagzeile (Vorsicht, Ironie!): “Wendelin Wiedeking wünscht sich Frank-Walter Steinmeier”? Oder noch besser: “René Obermann wählt Angela Merkel”. Mir fehlt die Vorstellungskraft und ich hoffe, dass der Wahlkampf themenorientierter stattfindet.

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Barack Obama spricht in Berlin

Der US-Präsidentschaftskandidat hat heute in Berlin eine Rede vor geschätzten 150.000 Menschen gehalten. Ich bin ehrlich gesagt mehr als erstaunt.

Erstens beeindruckt mich diese Euphorie, die die Leute ihm gegenüber an den Tag legen. Er spricht in einem fremden Land über Themen, die den einzelnen das ganze Jahr nur peripher tangieren und trotzdem finden sich 150.000 Leute, die ihm zuhören wollen.

Zweitens fand ich den Mut beeindruckend, auch unangenehme Themen anzusprechen. Gerade im Vorfeld von Wahlen hat sich das in der deutschen Politik nicht durchsetzen können. Unliebsame Themen werden hier lediglich von den politischen Kontrahenten gebracht – Barack Obama nimmt nur ein kleines Blatt vor den Mund – fand ich irgendwie gut.

Drittens bin ich doch leicht verwundert darüber, dass dieser Präsidentschaftskandidat wie ein Popstar gefeiert und bejubelt wird. Wenn sich deutsche Regionalpolitiker in die Menge wagen, stehen für gewöhnlich nur eine Hand voll Leute davor – und das obwohl die Themen direkt vor der Haustür existieren und gelöst werden müssten.

Und viertens bin ich gespannt, ob und wie sich dieser Auslandswahlkampf in Erfolg umrechnen lässt.

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