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Nach der WM: Kanzlermärchen und mehr netto!

Der Halbfinalniederlage gegen den künftigen Weltmeister – Spanien – folgend schwand die WMphorie langsam, um nach dem Finale zumindest aus dem medialen Sperrfeuer zu verschwinden. Nun ist also wieder Platz für neue Schlagzeilen auf der ersten Seite. An dieser Stelle noch mein Glückwunsch an die Spanier, die nun erstmals eine “echte” WM-Feier verproben konnten :-)

Nach der WM – und das auch gegen den Wunsch des einen oder anderen Fußballfanatikers – gehts nun also weiter mit dem normalen Alltag, in dem nicht einfach so 15.00 Uhr der Hammer fällt, damit die Angestellten zum Public Viewing Fan Fest gehen können.

Für die Entscheider unseres Landes hat das Ende des Fußballspektakels noch weitreichendere Folgen: die Startsteiten der großen Newsschleudern und natürlich die äußerst beliebte Seite 1 der Printmedien dürstet (bei gefühlten 45° im wahrsten Sinne des Wortes) nach Sensationsmeldungen. So ist es kaum verwunderlich, dass Kanzlerin Merkel gleich ins Fadenkreuz gerät.

Nachdem Roland Koch freiwillig das Handtuch wirft und Christian Wulff erfolgreich aus dem Amt des Niedersächsischen Ministerpräsidenten weggelobt wurde, tut sich in der Führungsriege ein größeres Loch auf. Die Frage, wer im Land unserer Kanzlerin etwas politische Schwungmasse entgegenbringen könnte, möchte ich nicht diskutieren – darüber hinaus ist jedoch innerhalb der CDU-CSU-Fraktion eine gewisse Führungsleere entstanden. Im kritischen Auge des aufmerksamen Bürgers wirkt das insofern etwas irritierend, als das die one-and-a-half-women-show zum echten Monolog von Angela Merkel mutieren könnte. Weiterhin fehlen natürlich wesentliche Meinungstreiber, die im Zweifel unter der Voraussetzung inhaltlicher Zustimmung die Fraktion “in die Spur bringen” können. So ist es kaum verwunderlich, dass ein politisch nahezu unbekannter Akteur als neuer niedersächsischer Ministerpräsident und “Mann der Zukunft” zelebriert wird (David McAllister). Wir werden sehen.

Noch ein Artikel passt irgendwie zur allgemeinen Polit-Mauligkeit: “Mehr netto – ein Kanzlermärchen“. So kommt der Bund der Steuerzahler für 2010 (jedoch unter Berücksichtigung der Beitragsanpassung der Krankenkassen ab dem 1.1.2011) auf folgende Differenzen, die nicht mehr wirklich nach “mehr netto” aussehen:

Jährliches Bruttoeinkommen Netto 2010 ohne Schwarz-Gelb Netto 2010 mit Schwarz-Gelb Differenz
30.000 19.462 19.399 -64
40.000 24.532 24.452 -80
50.000 29.516 29.432 -83
60.000 34.358 34.280 -78
80.000 44.931 44.854 -77

Weiterhin ist in diesem Jahr der Steuerzahler-Gedenktag im WM-Trubel untergegangen. Bis zum 4. Juli waren die Steuerzahler (statistisch geglättet) hierzulande ausschließlich für den Fiskus arbeiten – immerhin: wir sind im “grünen Bereich” angekommen.

In diesem Sinne freue ich mich wieder über die journalistischen Ergüsse abseits des markierten Grün und den silbernen Hölzern :-)