Microsoft-Chefstratege Steve Ballmer will es unbedingt wissen. Studien zufolge wird im Onlinewerbemarkt bis 2012 ein Volumen von 50 Mrd US-$ überschritten und genau auf diesem Zug möchte Microsoft doch noch mitfahren.
Den Einstieg hat man zu Zeiten, als man hätte problemlos mitmischen können, verpasst – den Vorsprung des Konkurrenten Google jetzt aufzuholen wird jetzt umso teurer. Ob das überhaupt möglich ist? Ist nicht alles irgendwie möglich?!
Die Yahoo-Übernahme, die man mit viel Getose und einem prall gefüllten Geldkoffer über die Bühne bringen wollte, ist gescheitert. 44 Mrd. US-$ sollten zu wenig sein, um ein Unternehmen mit 20% Marktanteil im Suchgeschäft zu kaufen. Da sich die Stakeholder von Yahoo auch nicht so recht einig sind, köchelt das Thema trotzdem weiter. Eine 100%-Übernahme halte ich unterdessen für recht unwahrscheinlich.
Die eigene Suchmarke fristet mit ca. 9% Marktanteil eher ein Nischendasein. Gerade für Leute wie Steve Jobs, die die Marktmacht in anderen Gebieten kennen und lieben, dürfte das einer Katastrophe gleichkommen.
Der nächste Versuch wird die eigene Marke betreffen: satte 1,2 Mrd US-$ stehen bereit, um den großen Angriff nochmal zu wagen.
Die Grundsatzfrage dürfte an der Stelle lauten: Ist Erfolg im Suchsektor käuflich? Vermutlich ist der Erfolg fast ausschließlich in der Macht der Marke begründet – und da liegt Google meilenweit vorn. Die Suche im Internet wird schon seit einiger Zeit “Googeln” genannt und ich meine, mich an die Diskussion um die Aufnahme des Begriffs in den Duden erinnern zu können. Ich habe ehrlich Zweifel, dass in absehbarer Zukunft ein Markenbuild möglich ist, der Google ernsthaft in Gefahr bringen könnte. Einzig kapitale Fehlentscheidungen und -entwicklungen seitens des Marktführers dürften diese Möglichkeit bieten. Aber selbst dann muss man stets (mit allen damit verbundenen Kosten) in den Startlöchern stehen und genau das dürfte Microsoft mit der Investition momentan tun.
Ein “Alternativplan” wäre doch ansich auch wie folgt vorstellbar: Die 1,2 Mrd. € investiert man (anstelle sie im Unternehmen zu verbrennen) in aussichtsreiche Startups. Das hat den unsäglichen Vorteil, dass man sich die eigene Marke nicht ramponiert. Die Erfolgswahrscheinlichkeit halte ich zudem für höher als in einem derart großen Unternehmen. Erfindergeist, Know-How und Durchhaltevermögen findet man meist in kleinen, abgelegenen Garagen – Kapital allerdings selten.