Wolfgang Thierse, Vize-Bundestagspräsident, hat mit seiner Äußerung über den Umgang Helmut Kohls mit der Krankheit seiner Frau für Verstimmungen gesorgt. Die Aussage “Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.” brachte ihn dabei (nicht zum ersten Mal) in eine Situation, in der er öffentlich zum Rücktritt aufgefordert wurde.
Thierse und Kohl waren auch vor dieser Aussage schon keine Freunde, war es doch der SPD-Politiker, der vor einigen Jahren die Rechnung für den Spendenskandal präsentierte und dafür von Kohl verbal attakiert wurde. Damals vergriff sich der Einheitskanzler am Mittagstisch im Ton (“Das ist der schlimmste Präsident seit Hermann Göring.”) und wurde von den am Nachbartisch sitzenden Journalisten spontan zitiert.
Thierses Aussage hat den Rahmen doch deutlich gesprengt – schon heute abend sah er sich gezwungen, sich zu entschuldigen. Dabei war er sich heute Mittag noch keiner Schuld bewusst.
Vor dem Hintergrund der tragischen Erkrankung von Hannelore Kohl, die sich aufgrund dessen 2001 das Leben nahm, ist eine solche Aussage nicht haltbar – dementsprechend hart fielen auch die Forderungen aus. Schützende Worte gab es dementsprechend nicht einmal aus den eigenen Reihen – führende Unionspolitiker forderten den Rücktritt oder eine “glasklare Entschuldigung”. Auch aus der Opposition war harsche Kritik zu vernehmen.
