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Koalitionsverhandlungen im Fokus: Hartz IV

So einig wie vor der Wahl sind sich die “Wunschpartner” CDU und FDP seit Beginn der Koalitionsverhandlungen nicht mehr. Die kritischen Themen, mit denen man an der einen oder anderen Stelle doch sehr rigoros in den Wahlkampf gegangen ist, werden jetzt zum Problem. Da wären seitens der CDU die Pläne zur Beibehaltung des Gesundheitsfonds und seitens der FDP die Ankündigung von Steuersenkungen als Diskussionspunkte zu nennen. Dass das zähe Ringen um die eigenen Stellungen medial nicht noch mehr verfrühstückt wird, verwundert schon ein wenig.

Um so erstaunter war ich, als mir die Ankündigung zur Anpassung der Konditionen für Hartz-IV-Empfänger unter die Augen kam. Das leidige Thema, von dem selbst der Namensgeber nichts mehr hören will, hatten die meisten vermutlich nur sekundär auf dem Radar – in der Tat ist dies allerdings ein Punkt der Nachbesserungen bedarf. Auch wenn er vermutlich als mediales Ablenkungsmanöver herhalten muss, kurz die Eckpunkte:

  • Erhöhung des “Schonvermögens” von 250 auf 750 € pro Lebensjahr
  • Sicherung von Wohneigentum

Vom Leitspruch des angestrebten Koalitionspartners FDP “Leistung muss sich lohnen” ist das Vorhaben zwar deutlich entfernt – umso erfreulicher, dass man offensichtlich bereit ist, um die Ecke zu denken. Bedenkt man, dass soziales Elend Kriminalität und Kriminalität allgemeine Unzufriedenheit bedingt, kann ich den Vorstoß nur begrüßen.

Apropos mediales Ablenkungsmanöver: erstaunlich, wie preiswert die Maßnahme sein soll: für schlappe 300 Mio. € hat man den Menschen Gutes getan. Vergleicht man die milliardenschweren Ankündigungen im Wahlkampf und erst recht die gigantischen Aufwände (und Bürgschaften) für das Bankensystem würde ich mich für regelmäßigere Debatten zum oft gescholtenen sozialen Netz aussprechen.

Noch eine kleine Zahlenspielerei: ungefähr 300 Mio. € fehlten vor einem knappen Jahr einer irischen Bank – der Anfang einer fatalen Entwicklung im irischen System. Wenn ich nun bedenke, dass allein die HRE mit Bürgschaften von aktuell 90 Mrd. € plus Option auf weitere 10 Mrd. € am Leben gehalten wird, muss ich mich setzen, damit mir nicht schwindelig wird.

Ich bleibe gespannt, wie sich die Gespräche entwickeln und nehme an, der Moment an dem weißer Rauch aufsteigt wird kommen.

More: FAZ.

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Wenn Minister nicht gehen dürfen…

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat mit seiner Bitte um Befreiung von seinem Amt als Minister einen kleinen Skandal ausgelöst. Im Wahljahr 2009 kommt dieses Ansinnen bei seinen regierenden Parteifreunden garnicht gut an, hinterlässt es doch in den Medien den Eindruck der Überforderung. Der Überraschungseffekt schlägt ein wie eine Bombe, waren doch bisher alle der Meinung, der Minister erbringe seine Leistung gern. Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ist gerade dieses Ministerium eklatant im Kreuzfeuer – ohne dass Glos dafür sorgen musste.

Die Frage der Nachfolge ist den Umständen entsprechend nicht geklärt, so dass ausnahmslos alle Entscheider einen Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt ablehnen. Ich vermute, die Amtsübergabe wird nicht lange auf sich warten lassen, da der mediale Druck nach dem Bekanntwerden eher steigen als fallen wird. Als Nachfolger werden Michael Ramsauer (CSU-Landesgruppenchef), Dagmar Whörl (Wirtschafts-Staatssekretärin) und Hans-Peter Friedrich (Unions-Fraktionsvize) genannt. Darüber hinaus stellt sich Thomas Bauer (CSU-Schatzmeister) vor und bekundet sein Interesse am Amt.

Via FAZ, Spiegel, Stern, FTD je mit einem der Artikel.

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Wahl in Hessen: klares Ergebnis

Die Landtagswahl hat einen für mich in der Form etwas überraschenden Verlauf genommen – dabei die erwartete Grundkonstellation trotzdem ergeben.

Dass die SPD unter 25% landet fand ich doch sehr deutlich – die jetzt mögliche schwarz-gelbe Koalition stand jedoch vorher fest. Der erhoffte “Münte-Effekt” blieb aus, was in Anbetracht der jungen Vergangenheit nicht sonderlich verwunderlich ist.

Der Negativtrend der SPD wäre damit ungebrochen – in Anbetracht der Tatsache, dass noch einige weitere Wahlen in 2009 anstehen, wäre es an der Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu machen. Dabei scheint es weniger um die Inhalte selbst als vielmehr um den “guten Ton” und das “politische Miteinander” zu gehen.

Großer Gewinner ist die FDP, die mit 16% alle Erwartungen übertrifft und sich damit deutlicher aus der Deckung wagen kann als bisher.

Für die nächsten Wahlen dürfte die Marschroute angeschlagen sein, wenngleich die Deutlichkeit nachlassen sollte.

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Regierungsbildung in Sachsen: Milbradt tritt zurück

Nicht unerwartet allerdings auch nicht im üblichen Zeitraster tritt Sachsens Ministerpräsident Milbradt zurück. Nachdem er durch das Landesbankdesaster und einigen privaten Anlagen in diesem Zusammenhang auch innerhalb seiner Partei an Rückendeckung verloren hatte, empfahl er heute seinen Nachfolger.

Dies soll der derzeitige Finanzminister Stanislaw Tillich werden. Georg Milbradt hatte seiner Zeit als Finanzminister die Geschäfte eingerührt, über die heute lieber keiner mehr spricht. Aber gut – so schlecht kann diese Wahl nicht sein, der Koalitionspartner SPD hat die Entscheidungen abgenickt.

Der scheidende Ministerpräsident begründet seine Entscheidung für den jetzigen Zeitpunkt der SZ gegenüber damit, dass ihm ein geordneter Übergang wichtig sei. Im Hinblick auf die Wahl 2009 dürfte das geschickter sein, als die “Hinhaltetaktik” wie sie von anderen Politikern gern gefahren wird.

In der FAZ geht man mit Herrn Milbradt etwas härter ins Gericht. Die Geschäfte mit hochriskanten amerikanischen Immobilienanleihen und der Fast-Bankrott der Sächsischen Landesbank sind dort nochmal niedergeschrieben.