Archiv vom April 2011

1

Dresden: erstmal keine Umweltzone

Die Diskussion um eine Umweltzone in Dresden brodelt bereits seit einiger Zeit und bisher sind keine Verbotsschilder für Autos mit gelben und roten Plaketten zu sehen. Das ist gut so und ich würde mich dafür aussprechen, es dabei zu belassen. Warum? Weil die Wirksamkeit der Gesamtmaßnahme “Umweltzone” bisher weder erwiesen noch anzunehmen ist. Die Städte, die über eine solche Zone verfügen, können davon ein Lied singen.

Sei es drum – was einmal auf Papier niedergeschrieben ist, lässt sich nicht einfach ignorieren und verursacht folgerichtig anständig Kosten. In Dresden wurde nun ein Luftreinhalteplan entworfen, dessen Inhalt ich hier eigentlich lieber nicht niederschreiben würde. Zwei Punkte seien herausgegriffen:

  • die Verlangsamung des Verkehrs und
  • - unglaublich aber wahr – das Stauen des Verkehrs auf den Einfallsstraßen

sollen die Belastungen reduzieren. In Zeiten hoher gemessener Belastungen sollen “Pförtnerampeln” den gesamten Verkehr Richtung Innenstadt “lahmlegen”. Den Verweis auf die schlechtere Gesamtbilanz (weil im Stau völlig sinnlos Sprit verbrannt wird) halte ich kurz.

Trotz allem: ein ganz klares Pro, dass es vorerst keine Umweltzone geben wird – über die Maßnahmen halte ich solange Stillschweigen bis die Herren bei der EU bemerken, dass die Einführung der Umweltzonen wirkungslos bleibt und das Paket kippt (*hust). In diesem Zeitfenster würde ich dann für die Abschaffung der getroffenen “Maßnahmen” plädieren.

More: DNN, Bild, sz-online, Umweltzone in Dresden auf stefan-jung.net aus dem Jahr 2009 (mittlerweile überholt).

1

Dixiland Dresden: Wie man etwas kaputt macht? Ganz einfach…

Das Dixiland-Festival gehört in Dresden zum Eventkalender wie das Stadtfest – und das seit Jahrzehnten. Grundsätzlich bin ich ja wirklich Freund positiver Veränderungen – dazu gehört (auch wenn ich kein euphorischer Jazz-Fan bin) jedoch nicht der Bruch mit bewährten und insbesondere auch beliebten Dingen.

Entgegen meiner Erwartung gibt es für das Fest, welches wahrlich nicht an Desinteresse leidet, Probleme mit den Genehmigungen für die Veranstaltungen sowie der Bereitstellung von großen Veranstaltungsorten durch die geplanten Baumaßnahmen am Kulturpalast. Während zweites eine durchaus vorwärts gerichtete Maßnahme ist, stellt erstgenannter Punkt eine Herausforderung dar. Die SZ informiert:

Für den Start des diesjährigen Festivals hatten er und sein Team ein kleineres Volksfest am Dresdner Elbufer geplant, die Genehmigung dafür blieb aus. Der Grund: Die dafür vorgesehene Fläche gehöre zum Landschaftsschutzgebiet. Aus demselben Grund soll nun auch die Abschlussveranstaltung am Terrassenufer zum letzten Mal stattfinden – ein Affront für den Festivalleiter. Denn zur traditionellen Parade strömen regelmäßig über 100.000 Menschen.

Große Leistung…

0

Wir benötigen weniger Autos!

Die grüne Themenpalette sorgt bei mir schon seit einiger Zeit für Verwunderung. Das betrifft nicht das gesamte Spektrum aber eine Hand voll Highlights sind immer zu finden. Gern erinnere ich mich an die Forderung nach einem Benzinpreis von 5 DM – mittlerweile wäre auch das vorstellbar, ich sehe jedoch keinen grünen Politiker, der sich für diesen “Erfolg” zelebriert. Na gut – sei es drum.

Der neu gewählte Ministerpräsident von Baden-Württemberg fordert nun, dass wir Deutschen mit weniger Autos auskommen sollten (Spiegel). Dazu sollten wir (also jeder Bürger) uns insbesondere auch um alternative Möglichkeiten der Fortbewegung Gedanken machen. Und damit der Rundumschlag gleich richtig sitzt, platzierte er gleich noch die Forderung, dass die in Baden-Württemberg produzierten Fahrzeuge in Zukunft mit deutlich weniger Sprit auskommen sollten.

Lange Rede, kurzer… : In Baden-Württemberg arbeitet jeder vierte in der Automobilindustrie und die größten Arbeitgeber haben ihre Produkte eher auf Lifestyle und Komfort getrimmt. Die Vertreter von Porsche und Benz werden sich vermutlich gehörig die Haare raufen. Ich hätte da für die neue Regierung noch einige Vorschläge, die ganz sicher zur Entspannung in den Vorstandsetagen beitragen:

  • die Einführung eines Tempolimits in Baden-Württemberg
    … dann reicht auch ein kleiner Flitzer…
  • die Einführung einer Sondersteuer auf Hubräume über 1,2 Litern in Baden-Württemberg
    … das wäre ein zusätzlicher Anreiz für einen kleinen Flitzer…

Die zwei Punkte wären schonmal ein guter Ansatz: blöd nur, dass Porsche “kleine Flitzer” der anderen Art anbietet… Weiterhin könnte ich mir noch Folgendes vorstellen:

  • die Straffung der Regelungen für die grüne Umweltplakette durch die Herabstufung von Fahrzeugen mit mehr als 1,2 Litern Hubraum – die GRÜNE(!) Umweltplakette sollte auch gleich im ganzen (Bundes-)Land gelten!
    … Problem gelöst – in Baden-Württemberg würde schonmal niemand mehr ein Fahrzeug von ansässigen Unternehmen ordern…

Wer Ansätze von Ironie oder Sarkasmus findet, darf sie behalten :-)

0

iPhone-Datensammlung: Standortdaten und Datenschutz

Wer sich auf seinem iPhone einen Standorttracker installiert hat, kann diesen ansich getrost wieder löschen, da das Gerät vollautomatisiert in Echtzeit die aktuelle Position ermittelt und auch speichert. Interessant ist ebenfalls, dass diese Daten genauso automatisiert mit iTunes synchronisiert werden, wie sie erhoben werden. Ermöglicht wird dies durch eine kleine Erweiterung der Datenschutzhinweise durch Apple aus dem Juni 2010.

Wer sein Bewegungsprofil gern mal sehen möchte, dem empfehle ich einen Besuch der Seite von Pete Warden (iPhone-Tracker). Mit dem dort kostenfrei (Open Source) angebotenen Tool, kann man die Daten visualisieren.

In den nächsten Tagen wird es dazu wohl noch einige Informationen mehr geben – bisher scheint unbekannt, ob und wie man die Aufzeichnung stoppen kann.

0

Gründer-Chaos nicht nur bei Facebook: die Twitter-Geschichte

Die Facebook-Gründung findet sogar im Film “The Social Network” ihren Platz und hat den Brüdern, die nach eigenen Angaben ursprünglicher Ideengeber gewesen sein wollen, stolze Summen eingespielt. Ich meine von einer Barabfindung von 20 Mio. $ plus Aktienpaket zum damaligen Wert von 45 Mio. $ gelesen zu haben. Dank der Kursentwicklung ist allein dieses nun Gerüchten zufolge 150 Mio. $ schwer – die juristischen Anstrengungen waren also nicht umsonst.

Ob diese Gegebenheiten als Vorlage für die aktuellen Gerüchte um die Gründung des Micro-Blogging-Dienstes Twitter herhalten, ist lediglich Spekulation – Fakt ist, dass sich der Dienst mittlerweile seinen Platz im Web gesichert hat und es eine Frage der Zeit zu sein scheint, bis ein passendes Geschäfts- und Refinanzierungsmodell gefunden ist. Ob es Noah Glass überhaupt um Geld oder vielmehr um ein wenig Anerkennung und etwas Publicity geht, ist ebenso unklar. Da seine Version der Gründung inkl. entscheidender Mitwirkung seiner Person durch mehrere Angestellte gestützt wird, geht die News in die “große Medienrunde”. Ich bin gespannt, ob und was daraus wird.

More: Golem.

0

Das deutsche Dilemma: Wir wollen nicht?

Es ist geradezu paradox und frustrierend zugleich. Nach der japanischen Katastrophe und den explosionsartigen Veränderungen in den Wahlergebnissen hierzulande hält nun der Aktionismus Einzug. Wie man der heutigen Onlineausgabe des Spiegel entnehmen kann, sollen nun schnellstmöglich die Voraussetzungen für einen raschen Atomausstieg geschaffen werden.

Weg von Atomkraft heißt

  • rein in erneuerbare Energien oder
  • rein in innereuropäischen Energiehandel.

Zweite Variante erscheint etwas seltsam weil wir aller Voraussicht nach nicht etwa grünen Strom aus dem hohen Norden sondern vielmehr atomaren Strom von unseren Anreinern beziehen würden.

So treibt es schwarz-gelb nun mal tüchtig grün und greift an der Öko-Front an. Und weil das alles so einfach geht, schreiben die gewählten Vertreter einfach ein Papier. Rumms.

Wie nicht anders zu erwarten regt sich jetzt schon Widerstand – Windräder sind nun mal leider hässlich und auch nicht ganz geräuschfrei im Betrieb. Das alles halte ich für lösbare Probleme – der entscheidende Druckpunkt liegt wohl an einer anderen Stelle: der Faktor Mensch bleibt völlig unberücksichtigt.

Letztens hatte ich das Vergnügen, bei einem Bekannten einen Bericht über erneuerbare Energien zu sehen. Die Anwohner eines Dorfes hatten sich zu einer Invesitionsgemeinschaft zusammengetan und umliegende Freiflächen mit Windkrafträdern sowie ihre Hausdächer mit Solaranlagen versehen. Die Bürger hatten sich freiwillig dafür entschieden und waren sichtlich zufrieden mit ihrem Investment – einziger Wehrmutstropfen: bei starkem Wind konnte nicht die gesamte Menge erzeugter Energie gespeist werden, da die Leitungskapazitäten nicht ausreichend dimensioniert waren – ein lösbares Problem mit geringem Frustpotenzial. Ein verändertes Landschaftsbild oder ein erhöhter Geräuschpegel wurden nur am Rande diskutiert, waren jedoch kein Hinderungsgrund. Warum?

Die Bürger haben sich basierend auf einem positiven Anreiz (finanziell) freiwillig in das Vorhaben begeben.

Der Guerilla-politische Ansatz unserer Vertreter lässt diesen entscheidenden Punkt völlig außer Acht und gerät schon jetzt in die Kritik. Statt die Chance zu nutzen und auf eine dezentrale Infrastruktur mit einer breiten Nutznießergruppe zu setzen wird weiter Lobbypolitik betrieben.

  • Der Bürger zahlt erstmal 5 Mrd. € für den Netzausbau (Steuergelder).
  • Die bürokratischen Hürden werden gesenkt, was Großinvestoren zugute kommt.
  • Der Bürger hat kein Mitspracherecht bei der Errichtung.
  • Strom wird erheblich teurer (was keinen für mich nachvollziehbaren Grund hat).
  • Summasummarum: ich kann für den geneigten Bürger keinen Vorteil erkennen.

Noch eine kleine Verdeutlichung: ich habe mir überlegt, dass in meiner Gemeinde ein Klärsystem nötig ist. Weil ich den Bürgermeister gut kenne und auch sonst gute Kontakte in die Politik pflege, ist es ein leichtes, eine Baugenehmigung für die Anlage zu erhalten. Eine Kostenbeteiligung am Bau durch die Bürger ist ohnehin unstrittig. Weil mir ein Standort 30 km außerhalb der Anbindung wegen zu teuer erscheint, platziere ich dieses direkt am Rand des größten Ortes in der Gemeinde. So kann der Dung vom letzten Haus direkt in die Anlage fließen – das erscheint mir hochgradig sinnvoll. Wenn der Wind ungünstig steht, hat nun der halbe Ort Schwierigkeiten mit der Einnahme des Abendbrotes was mich jedoch nicht stört, da ich in einem anderen Ort wohne. Meine Investition wird sich innerhalb von 10 Jahren zu einer Goldgrube entwickeln.

Ich kann nicht verstehen, warum mich niemand mehr grüßt.

In der Konsequenz ist das passiert, was sich die letzten Jahre etabliert hat: Finanzmittel werden vom Bürger zu lobbystarken Konzernen umgelenkt. Dass man nicht versteht, dass unter diesen Voraussetzungen niemand vor seinem Grundstück einen Windpark haben möchte, finde ich wirklich frustrierend…

Um den Bogen zur Überschrift zu spannen: es wird wohl nicht am Wille als vielmehr an der Art und Weise liegen. So gesehen werden wir wohl voller Spannung der Dinge harren, die da kommen.

Seite 1 von 212