Eines vornweg: Fallschirmspringen ist eine wirklich wetterfühlige Angelegenheit. Da es der Sommer insbesondere in der zweiten Hälfte nicht so gut mit uns meinte, wurde das Ereignis Woche um Woche entweder hochwasserbedingt oder durch andere meteorologische Einflüsse sowie schließlich noch den lange geplanten Urlaub verschoben. Sei es drum – gestern war schönes Wetter und nach stundenlagem Warten hatte sich auch der Wind auf ein erträgliches Maß eingepegelt, so dass es losgehen konnte :-)
Nachdem die Fallschirm-Theorie also geklärt war und auch die Trockenübungen zum Thema Ausstieg aus dem Flugzeug und Reaktion in Notfällen absolviert waren, ging es nun in die Praxis. Also – Schirm auf den Rücken und ab ins Flugzeug.
Interessant, welch wohlige Stimmung in dem alten aber wirklich heimeligen Flieger unter den Springern herrscht. Zwischen dem einen oder anderen Grinsen ist durchaus auch ein Hauch Arbeitsklima, was einen durchaus professionellen Eindruck hinterließ :-)
Erschreckend war dann der Moment, als der erste Springer das Flugzeug verließ. Tatsächlich muss man sich als sonst eher erdennah lebender Bürger erstmal darüber klar werden, dass eben jemand aus dem Flugzeug gesprungen ist.
Beeindruckend war dabei neben dem belustigten Gesichtsausdruck vor allem die Geräuschkulisse (vergleichbar mit einer ziemlich großen Verpuffung), mit der der Springer in rasantem Tempo aus der Blickfläche verschwindet.
Rasant geht es weiter und bevor man sich versieht, steht man selbst an der geöffneten Flugzeugtür und hat den Flugwind im Gesicht.
Wirklich erstaunt war ich darüber, wie wenig Überwindung es kostet, tatsächlich zu springen. Meine Erwartungshaltung für diesen Grenzgang war doch eine andere :-) Nach einer kurzen Selbstansprache folgte dann also – der Sprung ins “Nichts”.
Wo bin ich? Es ist ungefähr eine Sekunde vergangen – gefühlt ist ein Jahr seit dem Sprung aus dem Flugzeug vergangen. Der Blick nach oben verrät: der Schirm ist geöffnet. Einer kurzen Erleichterungsphase folgend schießt die Erkenntnis, dass der Schirm verdreht ist. Nach all dem Notfalltraining kommt man schon ins Grübeln, ob eine Trennung des Schirms und die Nutzung der Reserve jetzt angebracht wäre.
Verflixt, du hast vergessen zu zählen! 121 – 122 – 123 – ach, mittlerweile ist soviel Zeitvergangen, dass sich das ohnehin erübrigt. Und gezählt hast du trotzdem noch – ok, doppelt hält besser. Einer kleinen mentalen Lockerungsübung durch einen schweifenden Blick über die ungewohnte und wirklich weite Sicht folgt die Erkenntnis, dass sich das Problem des Eindrehens von selbst löst. Sehr schön :-)
Jetzt aber! Nach der durchaus aufregenden Phase des Starts weicht langsam die Überdosis Adrenalin. Der Schirm will gesteuert werden und überhaupt entsteht eine ziemlich große Neugier nachdem man sich langsam überzeugen konnte, dass es sich um eine komfortable und sehr vertrauenserweckende Sitzposition handelt. Also – Steuerung probieren, Bremsproben durchführen und orientieren. Alles fühlt sich etwas ungewohnt aber machbar an – im Gegensatz zu den ersten Gehversuchen im Auto oder auf dem Motorrad eine einfache Übung.
Mist, wieso sieht von oben alles gleich aus? Zwar hat der Lehrer unten eine Luftaufnahme des Landeareals gezeigt – hier ist jedoch nichts – aber auch wirklich garnichts davon zu erkennen. Erstmals folgt die ernsthafte Frage nach den weiteren Springern. Mein Vorgänger hatte ganz vernünftig Kurs genommen und siehe da – hinter ihm liegt das Fluggelände.
Öhm, wie jetzt? Die Bremsversuche sowie die kleine Spielerei bezüglich des Kurvenverhaltens hatten zeitnah dazu geführt, dass der Flugplatz unter uns war.
Ding! Da war doch noch was! Der Höhenmesser! Der Blick verriet eine Höhe von 500 Metern (das war meine erste Erkenntnis über die Höhe nachdem ich im Flugzeug geprüft hatte, dass wir uns wirklich auf 1200 Meter befinden) und ich befand mich bereits über dem Landeareal. Korrekt ist anders – für den ersten Sprung fand ich mich bis dahin allerdings schon ganz gut :-) Zeit eine Wende einzuleiten und sich gegen den Wind zu stellen.
Hmm… Leichte Ernüchterung machte sich über den Umstand breit, dass der Wind für eine Korrektur zum korrekten Landeanflug zu reichlich ist (bzw. dass meine Navigation zum jetzigen Standort mangelhaft war…). Naja – dann eins – zwei – drei – vier – wieviele auch immer – kleine Kürvchen und schon ist das Gras am Boden in seiner bekannten Form zu sehen.
Die Landung gestaltet sich verhältnismäßig unkompliziert, was jedoch mangels Erfahrungen an fehlender Vorstellungskraft liegt. Kräftig gebremst (“flaren”) und schon spüre ich den Boden wieder unter den Füßen. Wäre ich darüber nicht so überrascht gewesen, hätte ich sogar stehen bleiben können – von einer harten Landung, wie sie durch den Lehrer angekündigt war, blieb ich verschont.
Im Nachhinein betrachtet war das Vergnügen viel zu kurz. Die Aussicht, die Luft, die Geräusche, der Gedanke an den Absprung – alles in Allem passiert innerhalb weniger Minuten so viel, dass man es nicht wirklich aufnehmen kann. Abgesehen von der Landung, die doch erheblich vom theoretisch vermittelten Ablauf abwich, ging gefühlt alles ganz koordiniert zu.
Mein persönliches Fazit: das muss definitiv nochmal sein :-)
Anbei habe ich eine Hand voll Bilder eingestellt, die bedingt durch fehlende freie Hände lediglich am Boden entstanden sind.