Allianz in der Verlustzone – wo sonst?
26. Februar 2009 von Stefan Jung
Ein Schelm, wer Böses denkt: der Versicherer Allianz hat im vergangenen Geschäftsjahr ein Minus von 2,3 Mrd. € verbucht, was maßgeblich auf die ehemalige Tochter Dresdner Bank entfällt. Diese hat im Strudel der Finanzkrise einen Verlust von 6,3 Mrd. € schreiben müssen und damit der ehemaligen Mutter ein ansich schwarzes Geschäft rot gefärbt. Das Vorjahr schloss die Dresdner mit einem Gewinn von 410 Mio. € ab – über das Verhältnis von Gewinn zu Verlust denkt jedoch niemand mehr nach.
Mittlerweile gehört die Dresdner Bank zur Commerzbank und damit zu gut 25% dem Steuerzahler. Das ist zweifelsfrei gut für die Allianz, die nach Abschreibung der übernommenen Briefe aus dem Abspaltungsgeschäft zumindest wieder mit einem Auge in die Zukunft blicken dürfte. Für die Commerzbank ist die Übernahme eine zweifelhafte Angelegenheit – dank staatlicher Gelder und Bürgschaften liegt die Kernkapitalquote allerdings noch bei 10%, was als angemessen gilt.
Der Blick ins Ausland verräte jedoch, dass solche Zahlen nicht das absolute Extrem sind – die Royal Bank of Scotland (RBS) meldete Verluste in Höhe von 26,9 Mrd. €. Die Rettung sah in diesem Fall eine deutlich höhere Staatsbeteiligung vor, die aktuell bei ca. 80% liegt. In Folge der Bekanntgabe der Zahlen schoss der Kurs um 25% nach oben, wobei hier der Hinweis auf die Turbulenzen der VW-Aktie hingewiesen werden sollte. Der staatliche Einstieg verringert ähnlich wie bei der VW-Übernahme durch Porsche die frei handelbaren Anteile, so dass Bewegungen umso deutlicher ausfallen.
Ich warte auf den Moment, in dem sich jemand mit einem neuartigen Konzept zum Finanzsystem in die Medien traut. Dass die heute gemachten Schulden quasi nicht tilgbar sind, dürfte außer Frage stehen…
Schlagwörter:allianz, dresdner bank, finanzkrise, rbs, staatsbeteiligung, verlust