Heute früh fand ich auf meinem Exkurs durch die Weiten des www auf den Seiten der FAZ einen echt lesenswerten Artikel von Stefan Theil, der sich durch den Dschungel der Schulbücher gekämpft und dabei die Wirtschaftsteile analysiert hat. Im Ergebnis kann man seine Ausführungen mit dem Titel “Von Raffgier und Ausbeutung” nachlesen. Meine Schulkarriere ist zwar schon ein paar Jährchen vorbei – allerdings gingen mir ein paar lebhafte Erinnerungen durch den Kopf als ich den Artikel gelesen habe.
Es muss wohl in der Mentalität der Menschen hierzulande liegen, dass Bildung als eines der Kernthemen doch eher ein unliebsames ist – so muss man sich auch nicht wundern, dass die Medien dieses lieber auslassen oder (falls doch zwingend nötig – zum Beispiel nach PISA) nur anschneiden und ein paar Phrasen im Raum verteilen. Schließlich kommt man doch allzuoft zu dem Ergebnis, den jungen Leuten fehle es an Potenzial und Motivation. Diese Grundhaltung scheint sich nach dem erfolglosen Versuch, Bildung effektiver und besser zu gestalten noch zu verhärten.
Zurück zur Wirtschaftspolitik – was lernen die Schüler heutzutage auf diesem Gebiet? Einfacher ist die Zusammenfassung der Themen, die nicht oder nur ungenügend behandelt werden: Wirtschaftliche Zusammenhänge. Wenn denn nun aber die breite Bevölkerung keine Vorstellung davon hat, wie ein Unternehmen funktioniert – was Angebot und Nachfrage für Auswirkungen auf Erfolg oder Misserfolg und damit auf den Arbeitsmarkt haben – wie sollen sie dann verstehen, warum Arbeitsplätze entstehen oder wegfallen?! Das Grundverständnis der Schulbücher beruft sich in diesem Gebiet leider auf fragliche Algorithmen. Zitat:
Auch wenn einige Bücher Arbeitgeber und Arbeitnehmer ganz paritätisch und neutral mit ihren jeweiligen Interessenvertretungen darstellen – die Konzentration oder gar Reduktion auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen und deren Institutionalisierung ist kaum geeignet, wirtschaftliche Zusammenhänge und Anreize zu erklären. Anstatt mehr Verständnis dafür zu lernen, was den Bäcker dazu bewegt, mir morgens meine Brötchen zu backen, und wie zum Beispiel Steuern und Abgaben seine und meine Anreize ändern, werden Schüler durch die Konzentration auf Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Kategorien und den Sozialstaat früh im verteilungspolitischen Betrachten wirtschaftlichen Handelns sozialisiert.
Gerade jetzt – vor dem Hintergrund Bahnstreit und Nokia-Werksschließung, Mindestlohn und Postdesaster – wäre es doch wirklich zu begrüßen, wenn es nicht immer nur um geldgeile Vorstände sondern vielmehr um eine gesunde Kompromissfindung und nachhaltige Lösungen ginge.
In den meisten der untersuchten deutschen Schulbüchern bleiben die Unternehmen eine „Black Box“, in der irgendwie Geschäfte gemacht werden. Die Einzelheiten bleiben meist unklar; wichtige Rollen scheinen Werbung und „die Konsumgesellschaft“ zu spielen. Die Unternehmen sind im „Wirtschaftskreislauf“ eingebettet, einem keynesianischen Gebilde aus Röhren und Pumpen und fließendem Geld.
Ich glaube ich werde mir demnächst mal ein paar Lehrbücher zu gemüte führen – das hat mich doch ein wenig schockiert. Gleichwohl habe ich den Eindruck, dass die Schüler im mathematischen und naturwissenschaftlichen Bereich mit durchaus passablen Kenntnissen die Schule verlassen.
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guter Lesetipp :)