Ede Stoiber und die Frauen
30. September 2007 von Stefan Jung
Nun ist es wohl tatsächlich vollbracht - nach scheinbar endlosem Gezerre sind die Ämter in Bayern neu verteilt. Die Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen nimmt dies zum Anlass, auch über einige Erscheinungen am Rande zu berichten.
Die eine ist auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Sie ist Bundeskanzlerin und wird von Stoiber die „liebe Angela“ genannt. Die andere ist zumindest vorläufig auf dem Tiefpunkt ihrer politischen Laufbahn angekommen. Sie wird von Stoiber kein einziges Mal, geschweige denn mit dem Namen, angesprochen. Gabriele Pauli, die Landrätin aus Fürth, hält auch eine Bewerbungsrede am Samstagnachmittag, will schließlich Vorsitzende werden, bekommt aber nur 24 von 961 abgegebenen Stimmen.
Okay, das ist schon hart - mit nur 24 von 961 Stimmen hätte ich im Vorfeld nicht gerechnet… Andererseits muss man sich schon fragen, wer in Bayern die 24 “Mutigen” sind, die Frau Pauli ihre Stimme gegeben haben.
Immerhin zeigt Frau Pauli noch am Samstagvormittag, kurz vor der Wahl, dass sie gelegentlich ein Gespür dafür hat, wie der politische Konkurrent in die Enge gedrängt werden kann. Nachdem Beckstein seine Rede zur Bewerbung um die Ministerpräsidenten-Kandidatur gehalten hat, erbittet Frau Pauli das Wort. Es wird vollkommen still im Saal, als sie sagt: „Günther, Du und ich, wir haben eine gemeinsame Geschichte.“
Der „liebe Günther“ schweigt
Sie erinnert an die Zeit Ende 2006 und Anfang 2007, als die Stoibers längst Überdrüssigen in der CSU - auch Beckstein - das empörte Anrennen Frau Paulis gegen Stoiber gern aufgenommen hatten, um endlich die Kraft zu finden, den Vorsitzenden zu stürzen. Frau Pauli fordert Beckstein - „lieber Günther“ - dazu auf, er solle ihr erklären, warum er nach all diesen Ereignissen die Meinung äußere, sie gehöre zum Psychiater.
Stoiber mit Ehefrau - einer muss ja ganz oben bleiben
Der „liebe Günther“ schweigt, lässt sich erst mit wuchtigen 96,59 Prozent zum Kandidaten wählen, bevor er seine Sprache wiederfindet, die Wahl annimmt und fairen Umgang mit Kritikern verspricht. Frau Pauli bietet er ein persönliches Gespräch an (das diese später annimmt), obwohl einige ihrer Forderungen „völlig unverständlich“ seien. Applaus im Saal, wohl auch deswegen, weil eine heikle Situation zumindest oberflächlich entschärft ist.
Das nennt man wohl einen Paukenschlag - in Herrn Becksteins Haut hätte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand gern gesteckt… Summa Summarum kann man wohl festhalten, dass die Rollen (wieder für Jahrzente?!) verteilt sind und die Veranstaltung wohl auch Blättern wie der Bild ausreichend Stoff zum Berichten gab.
Etwas erheiterndes noch zum Schluss: einige Reden von Hr. Stoiber unter http://www.fdp-bayern.de
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